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Stand: 11.01.2018

Pressemitteilung

Cannabis – die Droge der Jüngeren

 Klar ist: Alkohol ist immer noch das häufigste Suchtmittel. „40 bis 50 Prozent unserer Klienten sind alkoholabhängig“, verdeutlicht Plagge und hat auch konkrete Zahlen. „Das sind 500 bis 550 Menschen in Greven, Emsdetten und Saerbeck.“

Aber: An zweiter Stelle (rund 20 Prozent der Klienten der Caritas) liegt eben Cannabis. Und das hat mit dem Zeug, was vor 30, 40 Jahren geraucht wurde, nur noch wenig zu tun. „Dank der Züchtung ist der Wirkstoffgehalt an THC deutlich angestiegen“, verdeutlicht Plagge.

Zwei weitere Veränderungen habe es gegeben. „Cannabis ist inzwischen einfacher verfügbar, und die Einsteiger unter den Konsumenten sind inzwischen deutlich jünger.“ Habe man früher mit 18 oder 20 Jahren mit dem Kiffen begonnen, so seien die Einsteiger heute häufig 15 oder 16 Jahre alt. „Alkohol-Abhängige sind in den meisten Fällen 40 Jahre und älter, Cannabis-Konsumenten sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“

Und es gibt einen weiteren Unterschied. „Die Alkohol-Abhängigkeit kann schwerwiegende körperliche gesundheitliche Probleme nach sich ziehen, Cannabis ist von der gesundheitlichen Gefährdung her nicht schädlicher als das Rauchen“, erklärt Plagge, zählt aber gleich die psychischen Probleme auf. „Cannabis führt zu Demotivation, Antriebslosigkeit, Schlafproblemen bis hin zu Psychosen.“ Und besonders der frühe Einstieg verstärke diese Probleme.

Natürlich seien nicht alle, die Cannabis konsumieren, gleich süchtig. „Aber von allen Menschen, die Suchtprobleme haben, finden nur rund fünf Prozent den Weg in die Suchtberatung“, verdeutlicht Plagge. Aber: Sucht werde immer mehr ein Thema. Und Drogen seien immer besser verfügbar. „Wer Drogen kaufen will, bekommt sie auch, in Greven so wie überall, selbst auf Helgoland“, bringt Plagge es auf den Punkt.

Die Herausforderung der Zukunft, der kommende Jahrzehnte seien die Themen Mediennutzung, Glücksspiel – besonders online – und Computer-Spiele. „Immer mehr Jugendliche und Erwachsene haben da Probleme, das rechte Maß zu finden.“ Was natürlich auch durch Werbung angefeuert werde. „Man kann ja kein Sportereignis mehr schauen, ohne dass mit Hilfe von irgendwelchen Stars Werbung für Online-Wetten gemacht wird.“

Ein großer Teil der Suchtberatung sei natürlich die Beratung Betroffener und auch deren Angehöriger, aber man lege auch viel Wert auf Prävention. „Allerdings nicht über das Mittel Abschreckung, das, so hat die Forschung eindeutig bewiesen, hat keine dauerhafte Wirkung.“ Man halte bei den Besuchen in den Schulen keine Vorträge. „Wir versuchen mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, wir beschäftigen uns damit, was den Reiz der Drogen ausmacht mit dem klaren Fokus ,Lasst es sein.“

Erfolge? Dazu kann Plagge natürlich keine Zahlen nennen. „Man muss den Erfolg im Kleinen sehen, es sind oft die Einzelfälle, die uns motivieren“, erklärt Plagge. Es komme immer auf den Einzelnen an, auf sein Umfeld, auf seine Motivation, ob er von der Sucht loskommt oder nicht. „Es ist die Kunst in der Suchtberatung darzustellen, dass es sich lohnt von der Sucht wegzukommen.“

Nur: Die meisten – siehe oben – schaffen den Weg in die Beratungsstelle erst gar nicht.

 

Quelle: WN_12.06.2018_Bericht: Peter Beckmann

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