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Stand: 11.01.2018

Pressemitteilung

„Das ist auch eine kommunale Aufgabe“

 Ja, es gibt ihn, den Pflegenotstand. Daraus machen Bernward Stelljes, Vorstand des Caritasverbandes Emsdetten-Greven, und Fachbereichsleiter Ansgar Kaul keinen Hehl. „Aber das muss man auch deutlich benennen und den Bürgern erklären, dass sich daran auf absehbare Zeit nur wenig ändern wird und die Situation auch Folgen für Pflegebedürftige und deren Angehörige hat“, betont Bernward Stelljes mit Blick auf die Verantwortlichen in der Politik. Er fordert: „Auch die Kommunen müssen umdenken und sich bewegen. Denn mit dieser Situation umzugehen, ist auch eine kommunale Aufgabe.“

Wie Kommunen auf den Pflegenotstand reagieren könnten, dazu haben die Verantwortlichen im Caritasverband Emsdetten-Greven konkrete Ideen entwickelt. „Eine Lösung könnte eine Art Management im Viertel unter professioneller Anleitung sein“, sagt Bernward Stelljes. Wie das praktisch aussehen könnte, verdeutlicht Ansgar Kaul, Leiter des ambulanten Pflegedienstes im Caritasverband.

Schon heute profitieren Pflegebedürftige und deren Angehörige oftmals von einem gewissen Netzwerk in ihrem Umfeld. Zudem gibt es immer wieder Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren und ihre Zeit in den Dienst hilfsbedürftiger Menschen stellen möchten. Wichtige Akteure vor Ort könnten auch Vereine und andere Institutionen sein. „Da braucht es jemanden, der das bündelt und anschiebt – und alle Beteiligten professionell ohne finanzielle Interessen begleitet“, so Ansgar Kaul. Ähnliche Modell sind in den vergangenen Jahren erfolgreich in der Flüchtlingshilfe umgesetzt worden.

Gute Erfahrungen auf diesem Gebiet hat der Caritasverband in Sachen Senioren- und Pflegeberatung gemacht. Seit einigen Monaten bietet der Verband eine quartiersbezogene Beratung an, sprich: Die zuständige Mitarbeiterin hält ihre Sprechstunden in räumlicher Nähe zu den Ratsuchenden in Emsdetten, Greven, Reckenfeld und Saerbeck ab. „Die Beratungszahlen sind enorm gestiegen. Wir hatten allein in den ersten drei Monaten 150 Beratungen“, so Ansgar Kaul. „Wir stellen jetzt in erster Linie aus Eigenmitteln eine ausgebildete Fachkraft und Case-Managerin für diese Aufgabe zur Verfügung“, erklärt Bernward Stelljes.

Wie dramatisch die Situation in der ambulanten Pflege ist, wissen Pflegebedürftige und deren Angehörige nur zu gut. „Früher haben Klienten bei uns ganz klar Vorgaben gemacht, wie spät bitteschön der Pflegedienst vor Ort zu sein hat. Heute sind die Menschen einfach nur froh, wenn sie überhaupt einen ambulanten Pflegedienst finden“, sagt Ansgar Kaul. Auch der Caritasverband Emsdetten-Greven kann längst nicht immer alle Patientenanfragen bedienen. „Und das, obwohl unser Personalbestand in diesem Bereich seit 2015 sogar um 20 Prozent gewachsen ist.“ Vor drei Jahren zählt der Verband 28 Pflegefachkräfte, heute sind es 36. Im gleichen Zeitraum aber stieg auch die Anzahl der Patienten von unter 300 auf mehr als 400.

„Obwohl wir Personal aufgestockt haben, obwohl wir die Pflegedokumentation deutlich vereinfacht haben, obwohl wir selbst auch Pflegefachkräfte ausbilden, ist das Problem nicht so einfach in den Griff zu bekommen“, sagt Ansgar Kaul. Auch die Bemühungen der Bundes- und Landespolitik zu diesem Thema, könnten allenfalls längerfristig Früchte tragen. Bernward Stelljes ist überzeugt: „Die Versorgungsqualität und -dichte, wie wir sie noch vor anderthalb Jahren hatten, lässt sich langfristig nicht hochhalten.“

Als Schritt in die richtige Richtung wertet der Caritas-Vorstand den Vorstoß des Grevener Stadtrates, einen Runden Tisch zur Pflege ins Leben zu rufen. „Hier wird der kommunale Auftrag gesehen“, sagt Bernward Stelljes. Und: „Als Caritasverband bringen wir an dieser Stelle unsere Ideen gerne mit ein.“

Presse Pflegenotstand
Bildunterschrift:

Mit den ersten Elektrofahrzeugen im ambulanten Pflegedienst stehen die Zeichen beim Caritasverband auf Zukunft. Wohin die Reise in der Pflege gehen kann, dazu haben Caritas-Vorstand Bernward Stelljes (r.) und Fachbereichsleiter Ansgar Kaul konkrete Ideen.