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Stand: 11.01.2018

Pressemitteilung

Von den Chancen und Grenzen der inneren Widerstandskraft

Wer für andere gut sorgen möchte, sollte auf sich selbst achten. Das gilt insbesondere für Fach- und Pflegekräfte in der palliativmedizinischen Versorgung. Denn der Umgang mit schwersterkrankten und sterbenden Menschen bedarf einer inneren Widerstandskraft und der Fähigkeit, Krisensituationen zu meistern, ohne daran zu zerbrechen. In der Fachsprache ist von Resilienz die Rede. Vor diesem Hintergrund hatte das Palliativnetz Emsdetten-Greven-Saerbeck zur Fachtagung „Resilienz in der palliativen Versorgung“ eingeladen.

 

Vor rund 120 Medizinern, Fach- und Pflegekräften sowie ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern erklärte die Diplom-Psychologin Marion Duddek-Baier, was es mit der Resilienz auf sich hat – und wo sie an Grenzen stößt. Wie sehr die in der Palliativversorgung Tätigen gefordert sind, verdeutlichte Ansgar Kaul vom Caritasverband Emsdetten-Greven in seiner Begrüßung. „Innerhalb des Palliativnetzes haben wir im vergangenen Jahr insgesamt 550 Patienten betreut. Inzwischen sind 450 von ihnen gestorben. Das muss man erst einmal aushalten“, sagte er.

 

Dass das Aushalten dank einer guten Resilienz gelingen kann, verdeutlichte Marion Duddek-Baier. Ihre gute Nachricht: „Resilienz ist nicht angeboren und wird nicht allein durch unsere Erziehung bestimmt, sondern kann trainiert werden.“ Die  Kehrseite: „Wenn Sie etwas verändern, müssen Sie immer bedenken: Das Imperium schlägt zurück.“ Denn wer Resilienz erwerben oder stärken möchte, muss seine eigenen Grenzen erkennen – und diese einfordern. Was zuweilen zu Konflikten im Lebens- und Arbeitsumfeld führen kann. Wer achtsam mit den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Kräften umgeht, fördert seine Resilienz und aktiviert seine Selbstheilungskräfte.

 

Für die Krisenfähigkeit von Pflegekräften sind die beruflichen Teams von entscheidender Bedeutung. „Ein starker Zusammenhalt in der Gruppe wirkt sich positiv auf die Resilienz einzelner aus“, so Marion Duddek-Baier. Wichtig sei das Lob unter Kollegen. Leider entspreche das so wenig den leistungsorientierten deutschen Gewohnheiten und Maßstäben.

 

Die Referentin zeigte den Zuhörern Wege zur Selbstfürsorge. Regel Nummer eins: „Nur ich selbst kann mir mein Wohlergehen schenken. Ich bin für mich verantwortlich.“ Sie ermutigte die Anwesenden, sich zu erlauben, etwas für sich zu tun, achtsam durch den Tag zu gehen und sich ab und an vergangene Erfolge vor Augen zu führen. Ihre Tipps für Berufliches wie Privates: „Definieren Sie machbare Ziele! Akzeptieren Sie Ihre eigenen Defizite! Tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus!“ Die Psychologin räumte ein, dass es auch Situationen und Schicksalsschläge gibt, die so unerträglich sind, dass es zynisch ist, resilientes Verhalten von einem Menschen zu erwarten.

 

Mit aller Deutlichkeit wies die Referentin auch auf die Grenzen der eigenen Resilienz, insbesondere für Beschäftigte im Gesundheitssektor hin. Ihr Fazit: „Auch die gesellschaftliche Situation und die Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Wenn strukturell etwas nicht passt, dann liegt es nicht allein im Verantwortungsbereich des einzelnen, die Situation zu meistern.“

 

Palliativtagung Resillienz

 

Die Aktiven des Palliativnetzes Emsdetten-Greven-Saerbeck hatten mit der Referentin Marion Duddek-Baier (sitzend, Mitte) einmal mehr eine Fachtagung organisiert, die den Nerv vieler Fachkräfte und Ehrenamtlicher in der Palliativversorgung traf.