Erst ankommen, dann durchstarten
Emsdetten - Ausschlafen, Abhängen, Abenteuer erleben: Fein war das. Doch nun neigt sich die Ferienzeit dem Ende entgegen. Zusammen mit Schulpsychologin Gunhild Ortmeier hat die EV Tipps zusammengestellt, wie der Neustart in den Schulalltag gelingt. In dieser Folge gibt die Diplom-Psychologin von der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Caritas Emsdetten-Greven Tipps für den Übergang von der Grund- zu den weiterführenden Schulen.
Raus aus der Komfortzone
Der Übergang von der heimeligen Grundschulgruppe in die großen Schulformen mit Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen ist und bleibt eine Phase tiefgreifender Veränderung. Der Übergang in die fünfte Klasse ist für Kinder und Eltern einer der größten Meilensteine der Schulzeit und aufwühlend. Deshalb ist es wichtig, vor allem in den erste Wochen, keinen unnötigen Leistungsdruck aufzubauen und dem Kind klarzumachen, dass es völlig okay ist, dass es aufgeregt ist. Denn: Das Kind verlässt die Komfortzone, es sucht neue Freunde und neue Selbstbestätigung. Das ist gut so und verdient Unterstützung.
Emotionale Begleitung
Emotionale Unterstützung und Organisation sowie sanfte Impulse zur Selbstständigkeit sind für einen erfolgreichen Schulbeginn wesentlich. Erst muss das Kind emotional ankommen, bevor es sein Verhalten und seine Leistung effektiv steuern kann. Deshalb gilt es vor allem zu Beginn, zu viel Hektik am Morgen zu vermeiden und sich Zeit nach der Schule nehmen, wenn sie über Erlebtes berichten. Unsicherheiten, Ängste und Frust können in diesem Übergang auftreten. Kinder benötigen hier emotionale Unterstützung. Und die zeigt sich in ausreichend Raum für Gespräche - auch und vor allem über Gefühle.
Struktur statt Druck
Strukturierte Hilfestellungen beim Lernen unterstützen Kinder dabei, die Aufgaben selbstständig zu lösen. Dennoch sollten Eltern unbedingt vermeiden, schon jetzt der Versuchung des (Noten-)Wettstreits zu verfallen. Statt zu fragen: "Wo steht mein Kind leistungsmäßig in der Gruppe?" ist es wichtiger zu wissen, ob das eigene Kind sich in der neuen Umgebung angenommen und wertgeschätzt fühlt. Denn: Nur dann kann es auch nach Noten durchstarten.
Klassen-Chat: Begleiten statt verbieten
Der Klassen-Chat sorgt oftmals in der fünften Klasse für Aufregung. Ein Klassen-Chat ist in der fünften Klasse für viele Kinder das erste Mal, dass sie in einer großen digitalen Gruppe kommunizieren. Das ist aufregend, bringt aber oft Konflikte, Nachrichtenfluten oder Falschmeldungen und manchmal auch Gefahren (wie Cybergrooming oder Mobbing) mit sich. Chat-Regeln helfen enorm. Für Eltern gilt hier: Begleiten statt kontrollieren. Wenn Eltern Interesse zeigen, wird ein Kind auch bei Problemen eher zu ihnen gehen. Eine Fehler-Erlaubnis auszusprechen, hilft hier die Grundhaltung: ""Egal was im Netz passiert - selbst wenn du einen Fehler gemacht hast - du kannst immer zu mir kommen, ohne dass ich dir sofort das Handy wegnehme."
Bewegung: Jetzt erst recht
Egal ob Fußball, Reiten, Schwimmen oder Tanzen: Bewegung und Sport sind sowohl beim Schulstart als auch im Übergang zwischen den Schulformen von zentraler Bedeutung. Körperliche Aktivität wirkt nicht nur sehr effektiv als Emotions- und Stressregulator. Sport schafft auch - jetzt besonders wichtig - Verbindung und Bestätigung, begründet Freundschaften und stärkt soziale Kompetenz.
Die schulpsychologische Beratungsstelle der Caritas ist unter 02572 157-39 erreichbar, per Mail unter
ortmeier@caritas-emsdetten-greven.de .