Raum und Struktur geben
Emsdetten - Ausschlafen, Abhängen, Abenteuer erleben: Fein war das. Doch nun neigt sich die Ferienzeit dem Ende entgegen. Zusammen mit Schulpsychologin Gunhild Ortmeier hat die EV Tipps zusammengestellt, wie der Neustart in den Schulalltag gelingt. In der ersten Folge gibt die Diplom-Psychologin von der schulpsychologischen Beratungsstelle der Caritas Emsdetten-Greven Tipps für ein stressfreies familiäres Miteinander im Kontext des neuen Schuljahres.
Selbstwirksamkeit stärken
Indem die Kinder bereits in den letzten Tagen der Ferien in die Vorbereitung eingebunden werden, erleben sie Selbstwirksamkeit und schulen ihre Planungskompetenz, die für den Lernerfolg sehr wichtig ist. Und das geht ganz praktisch: Schulsachen besorgen, den Schreibtisch vernünftig organisieren, mit kleinen Kindern den Schulweg ablaufen und schon mal schauen, was es unterwegs zu sehen und zu erleben gibt. Durch den Start in den Ferien wirkt alles ein wenig stressfreier und entspannt. Vor allem mit älteren Kindern können Eltern schon mal thematisieren, was im neuen Schuljahr wichtig wird. Dabei sollte der Fokus auf den Stärken der Kinder liegen, also auf Fragen wie: Wo kann ich mich bald besonders gut einbringen? Was liegt mir besonders? Wie bereite ich Dinge und Themen vor, die mir in der Vergangenheit nicht so leicht von der Hand gingen?
Schöne Momente erinnern
Es ist doch so: auch in der Vergangenheit wurden Probleme gemeistert, Herausforderungen bestanden, Hürden überwunden. Wer sich schon vor dem Start diese Erlebnisse in Erinnerung ruft, aktiviert damit Ressourcen, denen wir uns im Alltag oft nicht bewusst werden. Dazu ist jetzt - zum Ende der Ferien - reichlich Zeit: Wer erfolgreiche, fröhliche und positive Momente thematisiert, stärkt zugleich seine Resilienz, also die Fähigkeit, auf Probleme und Veränderungen produktiv zu reagieren. Und: Es ist wichtiger, jetzt neue Abläufe und Strategien auszuprobieren, als auf alten Fehlern rumzureiten.
Strukturen schaffen und einüben
Verlässliche Tagesroutinen reduzieren Ängste und schaffen Klarheit. So werden feste Schlafenszeiten, ruhige Morgenroutinen, Hausaufgabenzeiten und gemeinsame Mahlzeiten feste Anker im Alltag. Schon ein paar Tage vor Schulbeginn können diese Abläufe langsam in den Alltag eingebettet werden. Jetzt ist übrigens die Zeit, um Wochenpläne zu schmieden, in denen auch Zeit für Sport und Hobbys aufgeführt ist.
Emotionalen Raum geben
Zuhören ist oft wichtiger, als Probleme sofort zu lösen. Wenn Kinder ihre Sorgen angstfrei formulieren können, erleben sie, dass Gefühle wichtig und richtig sind. Deshalb ist es so wichtig, Sorgen nicht herunterzuspielen. Aussagen wie "Du musst keine Angst haben!" oder "Stell dich nicht so an, das wird schon!" sind da wenig hilfreich. Nachfragen wie "Wie lange machst du dir schon sorgen?" "Wie zeigt sich deine Angst?" "Was denkst du, könnte dir helfen?" unterstützen die Kindern darin, ihre Gefühle einzusortieren oder "zu validieren", wie es in der Psychologie heißt.
Die schulpsychologische Beratungsstelle der Caritas ist unter 02572 157-39 erreichbar, per Mail unter
ortmeier@caritas-emsdetten-greven.de .