Emsdetten - Fast genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich wurde auf der Wohnanlage Pfarrer-Bernhard-Volkenhoff am vergangenen Freitag Richtfest gefeiert. Vorstand André Diecks schlug trotz drückender Hitze den symbolischen Nagel mit sicherer Hand ins noch offene Dachgebälk. Und Diecks erntete dafür Applaus von Nachbarn sowie den Vertretern aus Politik und Gesellschaft, die zur Feier des Baufortschritts und zur Ehre der beteiligten Handwerker gekommen waren.
Im Schatten der alten Bäume rund um das Gelände am Perrediek - kein einziger musste für den bemerkenswerten Bau gefällt werden - hatte Diecks zuvor alle Gäste und besonders die Vertreter*innen der Nachbarschaft begrüßt. Hinter dem markanten Kirchturm von St. Josef entstehen elf Wohnungen für Menschen mit psychischen und/oder körperlichen Einschränkungen sowie vier Apartments für Wohnungslose, bzw. von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen. "Ein wichtiger Baustein für unsere inklusive Stadtgesellschaft", lobte die stellvertretende Bürgermeisterin Beatrix Steinbach-Möllers das kreisweit einmalige Bauvorhaben. Ein Projekt, das ohne großzügige Unterstützung der Stiftung NRW sowie eine gehörige Portion Investoren-Mut des Caritasverbandes Emsdetten-Greven wohl nicht möglich wäre.
Auch Pfarrer Michael Eiden und der Vorsitzende des Caritasrates, Dr. Thomas Kock, betonten das "solidarische Signal", das von diesem Bauvorhaben für Menschen ausgeht, die es auf dem Wohnungsmarkt überaus schwer haben. Alle Redner erinnerten in diesem Zusammenhang an den 2009 verstorbenen Namensgeber der Wohnanlage, Pfarrer Bernhard Volkenhoff. Für den überaus beliebten und kunstsinnigen Seelsorger seien caritative Belange immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Und das bedeutet in der Auslegung von Pfarrer Eiden vor allem eins: "Die Caritas schaut genau hin und hat einen tieferen Blick auf den Menschen."
Angesichts des Angebots für Menschen mit psychischen Erkrankungen legte Pfarrer Eiden das auch so aus: "Krankheit bedeutet nicht, dass immer alles schief geht." Im Gegenteil: Ein Wohnangebot könne den Einstieg in ein gelungenes Miteinander von Menschen mit und ohne Einschränkungen bedeuten. Damit dies gelingt, stellte André Diecks beim Richtfest das Team der Caritas vor, das sich in Zukunft darum kümmert, dass die Wohnanlage und deren Bewohner*innen das Quartier St. Josef bereichern. Fast alle Dienste des Verbandes sind involviert.
Gerade weil die Caritas aus integrativen Erwägungen in der Wohnanlage selbst keine einseitige personelle Regelbesetzung plant, wird die Betreuung auf viele Schultern in den unterschiedlichen Fachbereichen verteilt. Inklusion, das wird hier ganz deutlich, ist eben eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Wohnanlage - so heißt es im Konzeptpapier -biete Menschen mit unterschiedlichen psychischen, körperlichen und sozialen Schwierigkeiten, mitten in Emsdetten zu leben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dass dies im Sinne des Namensgebers Pfarrer Volkenhoff wäre, das bezweifelte beim Richtfest, das in einem sommerlichen Grill-Lunch ausklang, wirklich niemand. Im späten Frühjahr 2027 soll die Wohnanlage bezugsfertig sein.